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1.24a Wallfahrtskirche und ehemaliges Kloster in Klausen

Von Piesport führt ein steil sich windender Weg durch die Rebhänge zur Moselhöhe, wo Mosellandschaft und Eifel ineinander verwachsen. Nach ca. 5 km erreicht man Klausen am Rande des Salmtals mit seiner berühmten Wallfahrtskirche St. Maria, die zugleich auch als Pfarrkirche dient. Mit einer Anzahl von jährlich über 100 000 Pilgern ist Klausen inzwischen wohl der populärste und bekannteste Wallfahrtsort im Moselraum und im Bistum Trier. Jedes Jahr erlebt der Ort etwa 300 Prozessionen. Besonders ledigen Frauen soll die Pilgerfahrt helfen, einen Ehemann zu finden. Seit 1997 hat sich mit der Motorradwallfahrt zusätzlich eine besondere Form der Wallfahrt etabliert.

Zur Geschichte

Der Wallfahrtsort Klausen und die Wallfahrtskirche verdanken ihre Entstehung dem Klausner Eberhard. Eberhard stammte aus Ferres an der Mosel, einem heutigen Ortsteil von Piesport. Von Beruf war er Winzer und Bauer. Da er nur wenig Land besaß, mußte er sich seinen Lebensunterhalt hauptsächlich als Tagelöhner verdienen. 1438 stellte der fromme Marienverehrer an der Stelle der heutigen Wallfahrtskirche einen Bildstock mit der Figur einer Schmerzhaften Muttergottes auf. Von dieser Zeit an pflegte er, an Sonn- und Feiertagen vor dem Bild zu beten. Nach einer Marienerscheinung erbaute er vier Jahre später ein Heiligenhäuschen um das Vesperbild. Weil Eberhard selbst aber mittellos war, bat er einen Verwandten um Unterstützung für sein Vorhaben, der ihn aber schroff abwies. Schließlich aber sagten ihm die Freiherren von Esch ihre Hilfe zu. Auch die Bewohner der umliegenden Ortschaften brachten auf ihren Fuhrwerken Steine herbei und legten kräftig Hand an. Von nun an lebte Eberhard direkt neben dem Heiligenhäuschen in einer selbsterrichteten Hütte als Klausner und kleidete sich wie ein Mönch mit einem langen Rock und einem langen Mantel mit Kapuze.

Während der Bautätigkeit an dem neuen Heiligenhäuschen soll sich ein Wunder ereignet haben, das an das biblische Wunder bei der Hochzeit zu Kana erinnert. Eines Tages ging den Abeitern der Wein aus. Die Lieferung eines neuen Fasses ließ und ließ auf sich warten. Der Durstigste unter ihnen bat, einmal im alten Faß nachzusehen, ob nicht doch noch ein Tröpfchen vorhanden wäre. Als Eberhard dieser Bitte nachkam, war das vermeintlich leere Faß wieder bis obenhin gefüllt.

Berichte über Gebetserhörungen und Wunder bei dem Marienhäuschen lockten allmählich immer mehr Besucher und Pilger an. Mit Hilfe der Opfergaben der Wallfahrer und nach der Zustimmung des Erzbischof von Trier, Jakob I. von Sierck [ Sirk ] (Kurfürst 30. August 1439, † 28. Mai 1456), konnte Eberhard 1447/1448 neben seiner Klause eine Kapelle bauen lassen. Sie wurde 1449 durch den Erzbischof von Trier eingeweiht. Nach dem Tode Eberhards im Jahre 1451 übernahmen Augustiner-Chorherren die Pflege der Wallfahrtsstätte. Diese gründeten dort bald ein Kloster und errichteten an Stelle der Kapelle Ende des 15. Jahrhunderts das heutige Gotteshaus als Klosterkirche und Wallfahrtskirche, die in ihren Ausmaßen auch dem anwachsenden Pilgerstrom gerecht wurde. 1502 fand die Einweihung statt.

Das Augustiner-Chorherren-Kloster in Klausen konnte aufgrund der zahlreichen Opfergaben schnell einen umfangreichen Grundbesitz erwerben, bei dem es sich vorwiegend um Weinberge an der Mittelmosel handelte. Im 18. Jahrhundert besaß es annähernd 350 000 Weinstöcke. 1802 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisation aufgehoben. Die Klosterkirche wurde Pfarrkirche. Die Pfarrei Klausen übernahm fortan die Verpflichtungen gegenüber den Pilgern. Der Einzugsbereich der Wallfahrt hielt sich bis in die 1950er Jahre mit der Region südliche Eifel, nördlicher Hunsrück und Raum Luxemburg im wesentlichen in den Grenzen des ehemaligen Erzstifts Trier.

Der Kirchenbau

Die spätgotische Wallfahrtskirche St. Maria ist ein unregelmäßiger Bau aus Mittelschiff, nördlichem Seitenschiff und dem als südliches Seitenschiff eingezogenen Nordflügel des ehemaligen Kreuzganges, der von einem langgestreckten, dreiseitigen Chor abgeschlossen wird. Teile der südlichen Langhauswand und die unteren Geschosse des Turms sind Bestandteil der 1449 geweihten Kapelle. Der ehemals romanische Kirchturm wurde beim Neubau erhöht und mit Spitzbogenfenstern, Balustrade und Spitzhelm gotisch ausgebaut. Südlich des Chores ist die Sakristei angebaut. Darüber befindet sich die ehemalige Bibliothek des Klosters, an deren Wände Malereien aus dem 15. Jahrhundert zu sehen sind. Der einst reiche Bücherbestand kam im 19. Jahrhundert in die Stadtbibliothek Trier.

Von der Turmhalle aus betritt man die mit Kerzenhaltern und Weihegaben geschmückte Gnadenkapelle am Westende des nördlichen Seitenschiffs. Ebenfalls an der Nordseite befinden sich über einer Heilquelle die Michaelskapelle und die als Nachahmung der Klause errichtete Eberhardskapelle. Das Langhaus wird von einem reichen Netzgewölbe überspannt, das auf Achteckpfeilern ruht. Die Schlußsteine an den Schnittpunkten sind mit Relieffiguren der Apostel und von Heiligen und diversen Wappen kirchlicher und weltlicher Persönlichkeiten besetzt.

Die Ausstattung

Die Ausstattung des Gotteshauses deckt ein Spektrum vom 15. bis zum 18. Jahrhundert ab. Der kunstvolle und figurenreiche Hochaltar stammt aus dem Jahre 1480. Hergestellt wurde er von dem Antwerpener Meister Johann Eltusch. Die drei Teile des Aufsatzes zeigen geschnitzte Passionsdarstellungen: die Vorbereitung der Kreuzigung, die Kreuzigung und die Kreuzabnahme. Die Flügelgemälde stammen von dem Maler Hans Memmling.
Im Mittelpunkt des Hochaltars steht die Kreuzigungsszene mit insgesamt 92 Figuren. Das Werk ist als Ganzes aus einem Eichenstamm geschnitzt.
In den beiden Mitgekreuzigten erkennt man links neben Christus den Schächer, der sich ihm zuwendet und rechts den, der sich von Jesus abwendet. Dazwischen sind vier Engelsgestalten zu sehen. Ein weiterer Engel links oben trägt in der Hand ein kleines Kind, das die Seele des um Verzeihung bittenden Schächers symbolisiert. Rechts oben erkennt man den Satan, der nach einem strampelnden Kind, der Seele des zweiten Schächers, greift. Dieser faßt noch einmal mit dem Arm über den Kreuzbalken, als wolle er seine Seele dem Satan entreißen.
Den Gekreuzigten nähert sich ein Bote, der nach der Legende von Pontius Pilatus nach Golgatha geschickt wurde, um die Hinrichtung Jesu rückgängig zu machen. Er erscheint jedoch zu spät.
Traditionell wird Maria aufrecht stehend unterm Kreuz dargestellt. Der Klausener Hochaltar zeigt hingegen eine sogenannte Beweinungsgruppe, die sich an die Vision der Seherin Britta von Schweden anlehnt.

Den Abschluß der Gnadenkapelle bilden Reste des steinernen Lettners aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts. Über dem neueren Mittelteil sind zwei Gnadenbilder zu sehen. Das recht kleine ältere aus Holz wurde 1442 beschafft. Im jüngeren aus Sandstein erkennt man eine vierfigurige Gruppe aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Die Vertäfelung wurde 1927 nachträglich eingebaut. Die in die Vertäfelung eingearbeiteten Reliefs sind Barockstücke aus der Zeit um 1700. Die zahlreichen handgeschmiedeten Leuchter mit den Votivkerzen in der Gnadenkapelle stammen überwiegend aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges und der Pestzeit.

Der reich geschnitzte Altar in der Michaelskapelle mit einer Figur des Erzengels wurde 1751 neu gefaßt. Außerdem gibt es noch zwei weitere Altäre in der Wallfahrtskirche, einer aus dem Jahre 1690 und ein Steinaltar aus dem Jahre 1588 mit Reliefs der Kreuzigung Christi und des Martyriums der hl. Katharina. Ein besonderes Schmuckstück des Gotteshauses ist die barocke Kanzel von 1774, deren Korb mit Figuren der vier Evangelisten geschmückt ist und die von einem besonders üppigen Schalldeckel bekrönt wird. Unterbaut ist sie mit einem Beichtstuhl. Die Existenz von sieben weiteren Beichtstühlen unterstreicht die Funktion des Gotteshauses als Wallfahrtskirche. Unter den Bildwerken sind eine Anna Selbdritt von 1449, eine figürliche Darstellung Mariens als Mutter Königin von 1700 und ein hl. Augustinus aus dem 17. Jahrhundert hervorzuheben. Mehrere Grabsteine zählen zu den weiteren Ausstattungsstücken der Kirche.

Ehemalige Klostergebäude

Die meisten der ehemaligen Klostergebäude wurden Anfang des 19. Jahrhunderts abgerissen. Erhalten sind noch die frühere Fremdenherberge, ein ehemaliges Wirtschaftsgebäude und das alte Brauhaus. Letzteres diente nach der Aufhebung des Klosters bis 1952 als Pfarrhaus. Es ist ein dreigeschossiger Bau mit Mansarddach. Das ehemalige Wirtschaftsgebäude wurde im 19. und 20. Jahrhundert unterschiedlich als Scheune, Stallung, Küsterwohnung und Beichtkapelle genutzt. Der vom Kloster als Pferdestall genutzte Gebäudeteil ist durch gotisierende Säulen und Pfeiler gegliedert.

Die Hauptwallfahrtszeit in Klausen ist von Anfang Mai bis Ende Oktober, wobei der Monat Mai und die Marienfeste besonders bevorzugt werden. In der Wallfahrtszeit werden regelmäßig Führungen durch die Kirche angeboten.

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