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1.01b Amphitheater in Trier an der Mosel

Der älteste noch erhaltene Bau der Römer in Trier ist das in den Petrisberg eingegrabene Amphitheater am Ostrand der antiken und heutigen Stadt. Erbaut wurde es um 100 n. Chr., wahrscheinlich anstelle eines Vorgängerbaus aus Holz. Ende des 2. Jahrhunderts wurde es beim Bau der römischen Stadtbefestigung in die Stadtmauer einbezogen. Im Gegensatz zu den meisten anderen römischen Amphitheatern ist das Trierer kein Steinbau, sondern eine Wallanlage, d. h. auf der einen Seite nutzte man beim Bau die natürliche Steigung des Petrisberges, während man auf der anderen Seite Erdreich aufschüttete. Das mit Kalksteinwürfeln verblendete und mit in Mörtel gebetteten Kalksteinbrocken gefüllte Guß-Mauerwerk hatte hauptsächlich die Aufgabe, als Widerlager gegen den Druck der Erdmassen zu dienen. Die gleiche Funktion erfüllten auch die scheinbar halbkreisförmigen Türme an den beiden Hauptzugängen, die ursprünglich nicht sichtbar gewesen waren.

Das antike Theater bot mit seinen auf drei Ränge verteilten 26 Sitzreihen rund um das Oval von 70 Metern Länge und 49 Metern Breite 20 000 Zuschauern Platz. Damit hatte es in etwa die Größe wie das Amphitheater in Verona. Die drei Ränge waren durch ringsum laufende Gänge voneinander getrennt. Den untersten oder 1. Rang nannten die Römer "ima cavea", den mittleren oder 2. Rang "media cavea", den obersten oder 3. Rang "summa cavea". Die Sitzreihen führten durch Bogenstellungen auch über die beiden Haupteingänge im Norden und Süden hinweg. Beide Tore dienten in der Spätantike als inneres und äußeres Stadttor. Die Arena übte in diesem Zusammenhang die Funktion eines Zwingers aus. Beiderseits von jedem Haupteingang war ein Gang, der in den Zuschauerraum führte.

An der Westseite befanden sich zwei weitere, noch erhaltene Gewölbeeingänge. Diese beiden Zuwege, lateinisch "Vomitoria" genannt, waren den vornehmen Zuschauern vorbehalten, denn sie führten beide auf das Podium, die der Arena nächstgelegene und durch eine Brüstungsmauer getrennte Plattform. Hier befanden sich die Ehrensitze, die durch Inschriften kenntlich gemacht waren. Mehrere Stücke dieser Inschriften wurden ausgegraben. Einer der beiden Gewölbeeingänge hatte seitliche Verbindung mit einem der Käfige, die in die Umfassungsmauer der Arena eingebaut waren. Im übrigen wurden die Sitzreihen auf der westlichen Seite mit Hilfe von Treppen, die zur obersten Plattform führten, erreicht. Auf der Bergseite waren solche Treppen fast nur auf der inneren Böschung erforderlich. Zu den inneren Treppen gelangte man durch Türöffnungen einer Abschlußwand auf der obersten Plattform.

Unter der Arena befand sich ein aus Schieferfelsen gehauener Gewölbekeller, in dessen 14 Räumen sich die technischen Einrichtungen des Theaters, darunter eine Hebebühne, aber auch die Räume für die Gladiatoren und die Käfige für die wilden Tiere, denen politisch Unliebsame oder verfolgte Christen zum Fraß vorgesetzt wurden, befanden. Mittels der versenkbaren Bühne wurden in den Pausen zwischen den Kämpfen bzw. den Tierhetzen Darsteller für pantomimische oder musikalische Aufführungen ans Tageslicht befördert. Eine Entwässerungsanlage sorgte dafür, daß die sandige Fläche bei großer Hitze berieselt werden konnte. Höhepunkt der Saison waren die jährlichen "Ludi francisci", die "fränkischen Spiele".

Von den Franken wurde das Amphitheater teilweise zerstört. Die Zuschauerränge wurden im Mittelalter als Steinbruch für den Bau von Kirchen und Klöstern genutzt und waren bis weit ins 19. Jahrhundert mit Reben der Abtei Himmerod in der Eifel bepflanzt. Die Arena schüttete die Zeit mit Schlamm zu. Die Sitzreihen, Tore, Türme und weite Teile der Eingänge des Amphitheaters existieren daher heute nicht mehr. Doch das Oval besagt genug.

1816 wurde die Ruine ausgegraben und Bauteile bzw. Einrichtungen freigelegt, darunter die Reste der Brüstungsmauer, die Kellerräume, in denen man zahlreiche Verfluchungstäfelchen der Todgeweihten entdeckte, sowie der Entwässerungskanal um die Arena herum. Heute ist das Amphitheater nicht nur eine touristische Sehenswürdigkeit, seit 1996 wird es wie auch die unweit davon gelegenen Kaiserthermen während der Sommermonate für Freilichtaufführungen genutzt.

Öffnungszeiten: von Anfang April bis 30. September täglich von 9 bis 18 Uhr, vom 1. Oktober bis Anfang April täglich von 9 bis 17 Uhr

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