2.19 Zell-Merl an der Mosel Sandstein Eisturm Rittergeschlecht Wurzel Jesse Kutschfahrten Brandunglück Klapperburg Bauart Häuser Ortsbefestigung Minoritenkloster Zandthof Haus Kloster Jahreszahl

2.19 Zell-Merl an der Mosel

Der langgestreckte Weinort Merl ist seit 1969 ein Stadtteil von Zell und gehört damit zur gleichnamigen Verbandsgemeinde im Landkreis Cochem-Zell. Er entstand in seiner heutigen Form durch das Zusammenwachsen mehrerer Siedlungsteile. Merl liegt rechts der Mosel, knapp 2 km flußabwärts von der Kernstadt entfernt, am Eingang des Merler Bachtals, das weit in den Hunsrück hineinführt. Der Fahrtweg nach Bernkastel-Kues beträgt etwa 49 km, nach Cochem ca. 34 km. Die Mosel legt von Merl bis zu ihrer Mündung in den Rhein am Deutschen Eck in Koblenz eine Strecke von 85 km zurück.

Die Merler Weinberge erheben sich an den Berghängen von "König" (370 m. ü. M.) und "Geisenkopf" (345 m. ü. M.). Die Merler Weinlagen heißen "Sonneck", "Adler", "Königslay-Terrassen", "Stefansberg", "Fettgarten" und "Klosterberg". Sie gehören zur Großlage "Schwarze Katz" wie auch die Weinlagen der Stadt Zell und des Stadtteils Kaimt.

Merl besitzt kulturhistorisch bedeutsame Zeugnisse der Vergangenheit. Dazu zählen vor allem die heutige Pfarrkirche und ehemalige Kirche des Minoritenklosters, der Chorturm der ehemaligen Pfarrkirche sowie der guterhaltene Zandthof. Das Ortsbild wird unter anderem von mehreren schönen Fachwerkhäusern sowie ehemaligen Adelshöfen und Klosterhöfen geprägt.

Zur Geschichte

Der Name Merl läßt vermuten, daß der Ort eine keltische Gründung ist. 782 wurde er erstmals urkundlich als Merila erwähnt. Merl war seit altersher im Besitz der Kurfürsten von Trier, in deren Dienst das Rittergeschlecht der sogenannten "Zandt von Merl" stand. Sie bestimmten über Jahrhunderte die Geschicke des Ortes wesentlich mit.

1471 erhielt Merl eine Ortsbefestigung. Nach aufflammenden Streitigkeiten zwischen Adligen und Bürgern Anfang des 16. Jahrhunderts schlossen beide Seiten 1519 einen Vertrag, in dem Benutzungsrechte geregelt wurden. Der Vertrag enthält aber auch interessante Angaben über die Bauart der Häuser. So wurden beispielsweise Strohdächer und hölzerne Schornsteine für die Zukunft untersagt. Dies läßt auf ein vorangegangenes Brandunglück schließen.

1689 zerstörten die französischen Truppen Ludwigs XIV. die Mauern und Türme der Ortsbefestigung. An sie erinnert lediglich noch der sogenannte Eisturm, ein als Eisbrecher dienender Rundturm, der 1907 nach dem Bau der Moseltalbahn entfernt und in Verbindung mit dem Bahnhofsgebäude in ungefähr gleicher Form wieder errichtet wurde.

Pfarrkirche St. Michael/ehemaliges Minoritenkloster

Das Minoritenkloster von Merl wurde um 1280 an Stelle eines Jagdhauses der Grafen von Sponheim gegründet. Der Bau der Klosterkirche vollzog sich in zwei Abschnitten. Langhaus und Chor wurden Ende des 13. Jahrhunderts errichtet, die Sakristei zusammen mit dem neuen vierflügeligen Klostergebäude in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Mit dem Kloster verbunden war eine katholische Lateinschule. Nach der Aufhebung des Klosters 1803 im Zuge der Säkularisation erhielt die Gemeinde Merl das Gotteshaus als Pfarrkirche geschenkt. Von dem ehemaligen Klostergebäude sind noch drei Flügel erhalten. Die an den Westgiebel anstoßende Küsterwohnung und die Sakristei mt den darüberliegenden Wohnungen sind im Besitz der Pfarrgemeinde.

Die langgestreckte einschiffige Pfarrkirche ist durch Strebepfeiler mit Giebelbekrönung gegliedert. Der vierseitige Dachreiter stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Am Westgiebel befindet sich ein spitzbogiges Portal, in dessen Scheitel die Figur eines betenden Mönchs zu erkennen ist. Das rundbogige Tonnengewölbe wurde 1668 eingezogen. Die spätgotische Westempore ruht über einem Kreuzrippengewölbe auf achteckigen Steinpfeilern.

Unter den Ausstattungsstücken ist der prachtvolle, figurenreiche Altarschrein aus Eichenholz ein besonderer Blickfang. Die Predella ist fünfteilig. Die mittlere Szene stellt die Wurzel Jesse dar: Aus der Brust des Königs David steigt der Stammbaum Christi empor. Links und rechts davon sind Szenen aus der Kindheitsgeschichte Jesu zu sehen. Im Zentrum des Altaraufsatzes steht die Kreuzigung. Die Schnitzarbeiten zu beiden Seiten zeigen die Kreuztragung und die Kreuzabnahme. Die Flügelgemälde setzen die Darstellungen des Schreines mit weiteren Szenen aus der Kindheit und der Passion Jesu thematisch fort. Auf den beiden oberen Gemälden der Seitenflügel erkennt man die Begegnung Abrahams mit Melchisedek und das Mannawunder in der Wüste.

Weniger kunstvoll als der Hochaltar präsentieren sich die neugotischen Seitenaltarretabeln von 1895. Beachtung verdienen aber die Kanzel (17. Jahrhundert) mit Ohrmuschelwerk, eine Muttergottes mit vier leuchtertragenden Engeln (16. Jahrhundert) sowie ein überlebensgroßes Kruzifix (17. Jahrhundert).

Chorturm der ehemaligen Pfarrkirche St. Michael

Nachdem die ehemalige Klosterkirche zu Beginn des 19. Jahrhunderts zur Pfarrkirche erhoben worden war, wurde die alte vernachlässigt und 1823 schließlich bis auf den romanischen Turm aus dem 12. Jahrhundert abgebrochen. Er ragt als Wahrzeichen von Merl aus den Weinbergen empor und gilt als einer der schönsten romanischen Türme im Moseltal. Bekrönt ist er mit einem achteckigen Schieferhelm. Das oberste der fünf Geschosse ist zu jeder Seite mit zwei Schallöffnungspaaren versehen. An der Ostseite des Turms befindet sich über dem Altarplatz des ehemaligen Chores ein Fenster mit Reliefdarstellungen der Evangelistensymbole. An der Westseite erkennt man noch die rundbogige Triumphöffnung zur früheren Kirche hin. Das von der alten Pfarrkirche erhalten gebliebene Bauwerk gehört heute der Zivilgemeinde und dient als Glockenturm.

Klosterhöfe und Adelshöfe

Unter den Hofanlagen in Merl ist der Springiersbacher Hof der größte. Der dreigeschossige Massivbau ist im Kern noch spätmittelalterlich, wurde jedoch 1767 umgebaut. An der Rückseite ist ein in Sandstein gehauenes Wappen des Abtes Johann Heinrich von Wassenberg mit der Jahreszahl 1754 angebracht. Im Haus befindet sich ein schmuckes Hausaltärchen mit einer Marienfigur aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.

Das älteste Profangebäude von Merl ist das Burghaus in der Zandtstraße. Der dreigeschossige, wohnturmartige Bruchsteinbau mit seitlichen Treppengiebeln stammt im Kern aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Im 18. Jahrhundert wurde es umgebaut. Das Hauptgeschoß ist über eine angebaute Freitreppe erreichbar.

Ein weiteres Burghaus, die sogenannte "Klapperburg", war Stammsitz der Zandt von Merl. Die dreistöckige Hofanlage aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, die auf der einen Seite von einem vorgebauten runden Treppenturm und auf der anderen Seite von einem Turmaufbau mit achtseitigem Helm flankiert wird, wurde leider durch Modernisierungsmaßnahmen entstellt.

Tourismusangebote

Von Merl aus lassen sich reizvolle Wanderungen durch die Weinberge auf die Moselhöhen oder durch das Merler Bachtal unternehmen.

Mit dem Fahrrad kann man sich von Merl aus moselaufwärts in Richtung Zell, Briedel und Pünderich, moselabwärts in Richtung Bullay und Neef auf den Weg machen und das romantische Moseltal erkunden.

Weitere Freizeitangebote wie Wassersport, Tennis, Minigolf, Schwimmen, Schiffsausflüge oder Kutschfahrten findet man in Zell oder dem Stadtteil Zell-Kaimt vor. Infos zur Moselschiffahrt: www.ausflugsdampfer.de www.partyschiff.biz www.bordparty.biz

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Stand: Tuesday, 26. April 2016 URL dieser Seite: http://moseltouren.de/2-bernkastel-kues-cochem/2-19-merl/index.html